Eine Familie im Wohnzimmer

Chat zum Thema "Zivilcourage"

Taschendieb

Einmischen statt wegsehen!

Wenn Menschen bedroht werden und Konflikte eskalieren, ist Zivilcourage gefragt. Wie aber mischt man sich ein, ohne die Opfer oder sich selbst in noch größere Gefahren zu bringen? Kriminaloberkommissarin Susanne Heidel und Kriminalhauptkommissar Frank Castiglione vom Kommissariat Kriminalitätsvorbeugung und Opferschutz der Kreispolizeibehörde des Rheinisch-Bergischen Kreises diskutierten diese Fragen mit Ihnen im Bürger-Chat am 7. Juni 2010.

Zivilcourage - Einmischen statt wegsehen

Info: Der Chat ist eröffnet.

  • Frage von Jendrik:
    In meiner klasse wird im Sportunterricht immer ein Klassenkamerad unfair vom Lehrer behandelt und alle lachen drüber und machen den fertig. Ich würde gerne helfen, aber dann bekomme ich selber >Ärger. Wa s soll ich tun?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Am besten, Du wendest Dich an einen Lehrer, dem Du vertraust bzw. dem Vertrauenslehrer der Schule. Vielleicht könnt Ihr in in einem Dreier-Gespräch mit dem Sportlehrer reden und ihm deutlich machen, dass sein Verhalten für den Schüler verletzend ist.
  • Frage von Marie:
    Ich habe Angst, dass mir etwas passieren könnte. ein Freundin hat mir gesagt, ich solle mir reizgas oder Pfefferspray kaufen. Ist das erlaubt?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Waffen sind oft nicht die erhoffte Lösung. Durch den Bestitz solcher "Waffen" bringt man sich schnell selbst in Gefahr, man kann auch Dritte oder sich selbst damit verletzen. Pfefferspray darf gegen Menschen auch gar nicht eingesetzt werden. Natürlich darf man sich im Notfall wehren, dazu sind auch Alltagsgegenstände geeignet. Und immer gilt: Um Hilfe rufen, andere Menschen aufmerksam machen!
  • Frage von Jonas:
    Ich höre so viel über Zivilcourage. Was ist das eigentlich genau?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Laut Duden ist Zivilcourage mutiges Verhalten, mit dem jemand seinen Unmut über etwas ohne Rücksicht auf mögliche eigene Nachteile ausdrückt. Zivilcourage fängt schon im Kleinen an, nicht erst bei der Schlägerei auf der Straße. Schon keinere Ungerechtigkeiten im Alltag sollten nicht ignoriert werden, hier kann man sich auch schon einmischen.
  • Frage von Hannah:
    Ich traue mich abends nicht so sehr allein in Bensberg aus der 1 auszusteigen. Gibt#s für abends nicht so nen Aufpass Service von der Bahn anstatt tagsüber Kontrolleure?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Die KVB hat durchaus Sicherheitskräfte, nur können sie nicht überall sein. Grundsätzlich gibt es in unserem kreis keine Brennpunkt-Haltestellen. Am besten ist, wenn Sie vorbereitet sind: Handy bereithalten, aufmerksam sein, sich ggf. abholen lassen und vorher überlegen, was in einer gefährlichen Situation zu tun ist. Sinnvoll ist es immer, mit mehrern Personen zu fahren / auszusteigen.
  • Frage von Lara:
    Was mache ich wenn ich alleine am Busbahnhof stehe und dann so doofe Typen kommen und wenn sonst keiner da ist?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Diese Leute sehr gut beobachten, misstrauisch sein, Blickkontakt halten, sie nicht zu nah herankommen lassen - das ist das erste. Wenn die Situation bedrohlich wird, braucht man nicht davor zurückschrecken, die 110 anzurufen! Ansonsten muss man den Ort auch schon mal verlassen und dorthin gehen, wo sich mehr Menschen aufhalten.
  • Frage von Kevin:
    Mir wurde letzens in der S11 das Handy gezockt. Und nun? War kaum einer da. Jetzt hab ich zu Hause auch noch Ärger von meinen Eltern. Die glauben mir nicht.
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Bei Gefahren in der Bahn ist es wichtig, Aufmerksamkeit zu erwecken. Z.B. den Fahrer oder den Schaffner ansprechen. Es gibt Gegensprechanlagen in den S-Bahnen, mit denen man den Fahrer oder die Leitstelle erreichen kann. Man sollte sich auch von Anfang an einen Sitzplatz suchen, an dem man nicht allein ist. Bei dem Problem mit den Eltern können wir leider nicht weiterhelfen.
  • Frage von Meggi:
    In meiner Schule ist ein Junge, der mich immer boxt. Ich habe Angst, es einem Lehrer zu sagen, weil ich dann eine Petze bin.
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Auf keinen Fall bist Du eine Petze. Es ist wichtg und auf jeden Fall besser, wenn Du Dir Unterstützung bei einem Lehrer oder auch bei den Eltern suchst, sonst wird die Situation mit der Zeit vielleicht immer schlimmer.
  • Frage von Erika:
    Meine Tochter wird immer wieder von einer Gruppe Jungs belästigt. Ich habe die Jungs schon zur Rede gestellt, aber nun bedrohen sie meine Tochter, dass sie mir nichts mehr sagen soll. Was kann ich tun?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Es erst einmal sehr gut und lobenswert, dass sich Ihre Tochter an Sie als Vertrauensperson gewendet hat. Solche Drohungen werden nur selten wahrgemacht. Bleiben Sie im Gespräch mit ihr, aber versuchen Sie, Ihr das Problem nicht aus der Hand zu nehmen. Es ist wichtig, dass Ihre Tochter lernt, selbstständig mit solchen Problemen umzugehen.
  • Frage von Hannah:
    Zivilcourage ist ja ganz nett. Letztens habe ich nach dem Fussball eine Flasche Bier in der Bahn getrunken und bin dann direkt von ölteren Leuten angemacht worden. Dabei hab ich gar nichts gemacht. Und als dann irgendwo Ärger war war ich sofor der Dumme. Da hatte ich genug Ärger zu beweisen dass ich damit nix zu tun hatte.
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Wie jeder weiß, ist Biertrinken in der Bahn verboten. Dadurch zieht man auch schnell den Unmut anderer Bahngäste auf sich. Auf solchen Unmut soll man dann auch nicht agressiv reagieren, sondern sich den gut gemeinten Ratschlägen der Allgemeinheit unterordnen und froh sein, dass die Leute aufmerksam sind.
  • Frage von Erika:
    Aber kann ich sie auf solche Situationen besser vorbereiten? Gibt es zum Beispiel Kurse, in denen Mädchen sowas lernen können?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Ja, es gibt Kurse, z.B. in den örtlichen Sportvereinen. Per E-Mail (an susanne.heidel@polizei.nrw.de) können wir Ihnen konkrete Kontaktadressen nennen.
  • Frage von Simon 17:
    Also ich trinke auch immer Bier in der Bahn. Ich benehme mich und finde das geht keinen was an. Aber immer diese Gruppen die einen anmachen nerven ganz schön. Am Heumarkt wollten mir welche mein Handy abnehmen als ich aus der Shisha Bar kam. Nur mit meinen Kumpelz haben wir das geschafft zusammen das nix passiert ist. Ohne Prügelei. Ist halt schwieirg. Man sollte nie alleine gehen!!!
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Vielen Dank Simon für diesen Erfahrungsbericht. Aber Biertrinken in der Bahn ist trotz alledem nicht erlaubt. Man riskiert von der Bahn hinausbefördert zu werden.
  • Frage von Leif:
    Warum gibt es so viele menschen, die in solchen Situationen nihct eingreifen. Da ist ein ganzen Bahnsteig voller leute und alle gucken nur zu wie ein Junge vermöbekt wird.
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Genau darum geht es hier. Wenn jeder helfen würde, hätten kein Problem. Doch gerade, wenn viele Leute anwesend sind, fühlt sich der Einzelne oft nicht zuständig und schiebt die Verantwortung an andere weiter. Wichtig ist es, über den eigenen Schatten zu springen und lieber einen kleinen Schritt zu tun - dann kann es auch sein, dass die anderen Leute vor Ort sich einem schnell anschließen. Solche Situationen können sich schnell ins positive Wandeln! Einzelen Personen sollte man gezielt ansprechen und zur Mithilfe auffordern.
  • Frage von Valerie:
    Zivilcourage ist wichtig, aber mal ganz ehrlich: Was kann ich alleine als Frau schon tun, wenn da ne Gruppe Jungs rumpöbelt?
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Ich als einzelner sollte nicht den Helden spielen. Es gilt wie immer: Beobachten, merken, melden. Die Körperkraft macht auch nicht den Erfolg aus, sondern die Entschlossenheit.
  • Frage von Wolfgang:
    Ich bin 58 und habe Familie. Ich will aber nicht wie der berühmte Fall in München ändern. Wo geht denn all das Geld für die Schulen hin? Mehr Erziehung ist gefragt. Meine Kinder wissen sich zu benehmen!!! Aber es ist wahr: Oft ist man der Einzige der was sagt. Man muss halt mehr bewachen.
    Susanne Heidel, Frank Castiglione: Der Erziehungsauftrag liegt immer noch im Elternhaus, nicht bei den Schulen. Die Kinder lernen Benehmen und Respekt im Elternhaus, wie Sie es ja selber erwähnen.

Info: Der Chat ist beendet. Vielen Dank für die rege Teilnahme! Zum Abschluss noch ein Empfehlung: auf www.zeige-courage.de kann man einen anonymen "Courage-Test" durchführen und eine individuelle Auswertung bekommen.

Kontakt

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