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Römische Dachziegel auf der „schäl Sick“, eine rätselhafte Wallanlage bei Altenberg und mysteriöse Löcher im Wald bei Rösrath

Römische Dachziegel auf der „schäl Sick“, eine rätselhafte Wallanlage bei Altenberg und mysteriöse Löcher im Wald bei Rösrath

Geheimnissen auf der Spur bei der Archäologietour Bergisches Land am Sonntag, 15. Oktober

Wie kommen römische Dachziegel in den Wald bei Bergisch Gladbach, also ins „freie Germanien“ oder – wie man in Köln sagt – „auf die schäl Sick“? Wovor wollten sich die Menschen mit fünf Wällen auf einem Höhenrücken bei Odenthal schützen? Wer hat die mysteriösen Löcher im Wald bei Rösrath gegraben? – Antworten auf viele solcher Fragen geben Archäologinnen und Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland am Sonntag, 15. Oktober, bei einer Expedition zu fünf überwiegend unbekannten archäologischen Sehenswürdigkeiten im südlichen Teil des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Kleine Sensation

Einem Hobbysportler ist eine kleine Sensation zu verdanken. Beim Laufen im Wald in Bergisch Gladbach entdeckte er Bruchstücke von hellroten Dachziegeln, wie man sie sonst von römischen Gebäuden kennt. Bekanntlich lag die römische Provinz Niedergermanien auf der linken Rheinseite, das Bergische Land gehörte zum freien Germanien. Der aufmerksame Bürger meldete den ungewöhnlichen Fund beim LVR-Amt und setzte damit eine umfassende archäologische Untersuchung in Gang. Ein Grabungsteam des LVR legte einen von vier in Reihe gesetzten Kalköfen, den dazugehörigen Arbeitsraum sowie eine Zugangsrampe frei. Spuren bezeugen mehrere Brennvorgänge, so dass von wiederholter Nutzung ausgegangen werden kann.

Eine Nutzung der Öfen in der römischen Kaiserzeit ist durch Laboruntersuchungen der Holzkohle und durch Bodenproben bewiesen. Der aufgefundene Schutt aus römischen Dachziegeln spricht dafür, dass ein größerer Teil der Anlage überdacht war. Das macht Sinn, denn Branntkalk soll ja erst auf der Baustelle mit Wasser in Verbindung kommen.

Dr. Erich Claßen, Archäologe und Leiter der Overather Außenstelle des LVR-Amtes: „Die Anlage mit vier Öfen lässt eine eine serielle Nutzung vermuten, deshalb ist sie ein Bodendenkmal ersten Ranges. Für die römischen Städte am Rhein wurde Branntkalk in großen Mengen benötigt. Wir haben hier einen weiteren Beleg für wirtschaftliche Aktivitäten der Römer auf der rechten Rheinseite.“ Am Tag der Archäologietour können die Gäste einen Blick auf die auffälligen Geländestrukturen werfen und die Funde bestaunen.

Jahrzehnte vor Christus ein Bollwerk gegen die Römer?

Das bekannteste Bodendenkmal im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Erdenburg bei Bergisch Gladbach-Moitzfeld. In den 1930er Jahren archäologisch untersucht, missbrauchte das Nazi-Regime die Ringwallanlage für seine Propaganda und stilisierte sie als „Germanische Festung aus den Römerkriegen“. Tatsache ist: Die Anlage mit dreifacher Wall-Graben-Anlage, Palisaden und Holz-Erde-Mauer war schon Jahrzehnte vor der Ankunft der Römer erbaut worden. Das belegen Keramik- und Metallfunde. Übermannshohe Spitzgräben sollten es Feinden schwermachen, ins Innere vorzudringen. Der Innenraum von 230 Metern Länge und 165 Metern Breite wurde bisher aber kaum untersucht, sodass unklar bleibt, was hier geschützt wurde.

Wohnplatz mit toller Aussicht

Noch älter ist vermutlich die von fünf Wällen geschützte Anlage auf einem Höhenrücken bei Odenthal, unweit des Altenberger Doms. Zu drei Seiten hin fällt die Erhebung steil ab, sodass die Bewohner nur eine Seite durch Wälle abriegeln mussten. Abschnittsbefestigung nennen die Archäologen einen solchen Platz. Vorteilhaft war die gute Sicht über das Dhünntal aus 155 Metern Höhe. Der Fund einer Sichel und eines Rings aus Bronze deutet auf ein Alter von etwa 3000 Jahren hin. Es gibt aber Hinweise auf eine Nutzung in späteren Zeiten. Für denkbar halten die Archäologen, dass nicht alle Wälle zur gleichen Zeit angelegt wurden. Der höchste Wall weist immer noch eine Höhe von 2,20 Metern über der Grabensohle auf. Erich Claßen: „Wir wollen nun mit einer Ausgrabung Näheres zum Alter und zur Bauweise der Wälle erfahren und hoffen auf Hinweise zur Bebauung des Innenraums. Besucher sind eingeladen, am 15. Oktober die Ausgrabung zu besuchen und Neues zu erfahren.“

Geheimnisvolle Löcher und ein roter Bach

Wer zwischen Rösrath und Overath, westlich der Ortschaft Dahlhaus, im Wald vom Weg abkommt, wundert sich über eine große Zahl von Kratern, kleinen Hügeln und einen rot gefärbten Bach. Es sind die letzten Spuren der Grube Schnepfenthal, die ab 1854 an diesem Ort betrieben wurde. Dass hier jahrzehntelang viele Menschen schufteten und es laut und schmutzig zuging, kann man heute nur noch erahnen. Erze – Kupfer, Blei, Eisen und Zink – förderte man in mühevoller Arbeit zu Tage. Dafür hatte man Schächte angelegt. Den Aushub und das wertlose („taube“) Gestein warf man daneben, so bildeten sich Halden. Die Erze wurden bis zur Sohle in 31 Metern Tiefe auf einer Länge von 120 Metern abgebaut. Immerhin schaffte man 1873 sogar einen Dampfkessel für die Förderung an. Neben anderen Erzen wurden 16.500 Tonnen Eisenspat von guter Qualität gefördert. Als der Berg nicht mehr genug Erz hergab, ließ man alles verfallen. In die offen gelassenen Schächte rutschte Erde. Übrig blieben trichterförmige Löcher, von Fachleuten als Pingen bezeichnet. Die rote Färbung des Baches in der Nähe des früheren Maschinenschachtes beweist, dass der Boden in dem Gebiet auch heute noch Eisen enthält.

Bei der Archäologietour können die Besucher von den Wegen aus die zahlreichen Pingen und Halden sehen und bekommen von Fachleuten spannende Informationen zum Bergwerk.

Der unsichtbare Adelssitz

Gleich neben der Ausfahrt Overath an der A 4 (Köln–Olpe) reicht beidseits der B 55 ein Gewerbegebiet bis fast an die Autobahn. Verborgen hinter Büschen und Bäumen entdeckt man eine Ruine, von Wasser eingerahmt. Ein idyllischer Platz, blendet man Umgebung und Geräuschkulisse aus. Heute steht von der ehemaligen Wasserburg „Großbernsau“ aus dem 14. Jahrhundert nur noch ein zehn Meter hohes und acht Meter breites Teilstück der Außenwand. Auf deren Innenseite sind die Konturen eines Kamins und die Auflagen für die Deckenbalken von mindestens zwei Geschossen sichtbar.

Großbernsau wurde als zweigeschossiger, zweiflügeliger Bau mit einem Turm errichtet. Die Wasserburg war der wichtigste Adelssitz des mittelalterlichen Kirchspiels Overath und ist das älteste profane Bauwerk der Stadt.

Die Veranstalter

Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und das Kulturbüro des Rheinisch-Bergischen Kreises laden herzlich dazu ein, am 15. Oktober bei geführten Wanderungen die Vielfalt der archäologischen Hinterlassenschaften dieser Region kennenzulernen. Die kostenlosen Führungen an den Sehenswürdigkeiten finden von 10–18 Uhr regelmäßig statt. Man kann die Ziele selbst anfahren oder an organisierten Bustouren teilnehmen. Feste Schuhe werden dringend empfohlen.

Busbuchungen: kulturinfo rheinland oder Telefon: 02234 992155

Weitere Informationen: www.archaeologietour-bergischesland.lvr.de

von: Landschaftsverband Rheinland (LVR)

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