Gemeinsame Übung für den überörtlichen Katastrophenschutz: Kreis, Feuerwehren und Hilfsorganisationen ziehen an einem Strang
Kreisbrandmeister Manuel Packhäuser, Ulrich Heutz, Vorsitzender Ausschuss für Bevölkerungsschutz, Rettungswesen und Verbraucherschutz, Dr. Steven Bayer, Landesstelle für den Katastrophenschutz im Innenministerium NRW, Bürgermeister Michael Eyer und Landrat Arne von Boetticher (Foto: RBK)In der Feuer- und Rettungsleitstelle des Rheinisch-Bergischen Kreises geht ein Notruf ein: Im Chemietrakt eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen kam es zu einem folgenschweren Unfall mit vielen Verletzen. Die Lage ist so groß, dass über die Bezirksregierung Köln überörtliche Hilfe aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis anfordert wird.
Bei diesem Fall handelte es sich zum Glück um ein fiktives Übungsszenario für die Dekontaminationseinheit des Kreises und den „Behandlungsplatz 50 NRW“. Für kurze Wege fand die Übung nicht – wie im Ernstfall – irgendwo in NRW, sondern am Schulzentrum Cyriax in Overath statt.
Den „Behandlungsplatz 50 NRW“ halten Kreise und kreisfreie Städte für die überörtliche Hilfe vor, er kann über die Bezirksregierung im gesamten Bundesland angefordert werden.
„Katastrophen machen nicht an der Kreisgrenze Halt. Das hat zuletzt das verheerende Hochwasser 2021 gezeigt. Überörtliche Hilfe ist deshalb von großer Bedeutung. Im Ernstfall zählt jede Minute – und vor allem ein reibungsloses Zusammenspiel aller Beteiligten. Die gemeinsame Übung hat eindrucksvoll gezeigt, wie gut Feuerwehren, Hilfsorganisationen und die Einheiten des Kreises gemeinsam anpacken. Ich danke allen, die an der Übung beteiligt waren – ganz besonders den vielen Ehrenamtlichen. Der hohe Stellenwert des Ehrenamts im Katastrophenschutz hat sich hier wieder einmal gezeigt“, so Landrat Arne von Boetticher.
Gemeinsam gut aufgestellt: Von der Dekontamination zur medizinischen Versorgung
Der „Behandlungsplatz 50 NRW“ (BHP 50) ist eine wesentliche Komponente der überörtlichen Hilfe bei der Erstversorgung einer großen Anzahl von Verletzten und Erkrankten im Katastrophenfall. Er ist darauf ausgelegt, dass hier 50 Patienten innerhalb von zwei Stunden oder 100 Patienten über vier Stunden hinweg notfallmedizinisch versorgt werden können. Da ein Chemie-Unfall geprobt wurde, war auch die Dekontaminationseinheit des Kreises mit dabei, die die Dekontamination von Verletzten und Erkrankten mit chemischen, biologischen oder atomaren Stoffen übte.
Ziel war es, Abläufe zu üben und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Einsatzkräften zu fördern. „Wir können auf eine gelungene Übung zurückblicken. Denn wir haben eingespielte Teams der freiwilligen Feuerwehren und Hilfsorganisationen erlebt, die souverän agiert haben“, fasst Kreisbrandmeister Manuel Packhäuser zusammen.
Die Einsatzkräfte des Behandlungs- und Dekontaminationsplatzes wurden durch den Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, den Malteser Hilfsdienst und die freiwilligen Feuerwehren gestellt. Zusätzlich wurde die Übung durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und die Johanniter-Unfall-Hilfe sowie Einsatzkräfte aus dem Oberbergischen Kreis und der Facheinheit für Information und Kommunikation unterstützt.
Behandlungsplatz 50 NRW und Dekontaminationseinheit
Kommt es zu einer Katastrophe oder einem außergewöhnlichen Schadensereignis, kann der BHP 50 im Rahmen der überörtlichen Hilfeleistung, aber auch bei einer vorgeplanten Bereitstellung, in den Einsatz gehen. Der BHP 50 des Rheinisch-Bergischen Kreises kann so in ganz Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden. Die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Bergisch Land e.V., Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Rheinisch-Bergischer Kreis e.V. und Malteser Hilfsdienst e.V. Stadtgeschäftsstelle Bergisch Gladbach stellen zusammen mit den freiwilligen Feuerwehren der Städte Burscheid und Leichlingen die Einsatzbereitschaft des BHP 50 ganzjährig sicher.
Die Dekontaminationseinheit des Rheinisch-Bergischen Kreises kommt bei Schadensereignissen mit chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Stoffen zum Einsatz, bei denen Verletzte oder Erkrankte sowie Einsatzkräfte mit diesen Stoffen in Kontakt kommen und kontaminiert werden. Zur Dekontamination – also der Grobreinigung zur Reduzierung von schädlichen Stoffen – werden spezialisierte Einheiten im Kreis vorgehalten. Die Einheit umfasst neben der Grobreinigung, das heißt dem Dekontaminieren, der betroffenen Personen auch deren medizinische Erstversorgung. Das Personal wird im Umgang mit den Schutzanzügen speziell geschult. Die Dekontaminationseinheit des Rheinisch-Bergischen Kreises wird durch die Freiwilligen Feuerwehren der Kommunen in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst und den Hilfsorganisationen gestellt.
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