Azubi-Speeddating bringt Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zusammen – Doppelqualifikation eröffnet neue Perspektiven durch weiteren schulischen Abschluss
Beim Azubi-Speeddating konnten sich Schülerinnen und Schüler bei kleinen und mittleren Unternehmen über Ausbildungsmöglichkeiten informieren. Stefan Uhlmann vom Kardinal Schulte Haus schätzte dabei besonders den direkten Kontakt, wodurch schon Auszubildende gewonnen werden konnten. Bildquelle: Rheinisch-Bergischer Kreis/Alexander SchieleWie finden junge Menschen einen Ausbildungsplatz, der zu ihren Interessen und Zukunftsplänen passt, und bauen dabei gleichzeitig ihre schulischen Qualifikationen aus? Und wie gelingt es kleinen und mittelgroßen regionalen Unternehmen angesichts ihres zunehmenden Fachkräftebedarfs, engagierte Nachwuchskräfte für sich zu gewinnen? Eine Antwort darauf gab das Azubi-Speeddating der beiden Berufskollegs in Bergisch Gladbach, an dem mehr als 70 Jugendliche aus Bergisch Gladbacher und Overather Schulen teilgenommen haben. Im Mittelpunkt stand neben dem gegenseitigen Kennenlernen von Schülerinnen und Schülern sowie Betriebe Unternehmen insbesondere die Möglichkeit, eine Berufsausbildung mit dem Erwerb der Fachhochschulreife zu verbinden. Für Jugendliche eröffnet diese Doppelqualifikation gleich mehrere Perspektiven: Sie sammeln von Beginn an praktische Berufserfahrung und erwerben gleichzeitig einen zusätzlichen schulischen Abschluss. In dem kompakten und persönlichen Format kamen Schülerinnen und Schüler mit regionalen Ausbildungsbetrieben ins Gespräch – mit dem Ziel, erste Kontakte zu knüpfen und den Weg in einen erfolgreichen Ausbildungsstart zu ebnen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom JOBvision-Projekt Quali-Boost und den Partnern des Koordinierten Übergangsmanagements Schule-Beruf: dem Rheinisch-Bergischen Kreis, der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land und der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach.
Zwei Abschlüsse – viele Möglichkeiten
Nach der Ausbildung können die Jugendlichen direkt ins Berufsleben einsteigen oder – je nach weiterem Bildungsweg – ein Studium an einer Fachhochschule aufnehmen. Damit sorgt die Doppelqualifikation für mehr Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung und ermöglicht jungen Menschen, sich nicht frühzeitig auf nur einen Bildungsweg festlegen zu müssen.
„Die Doppelqualifikation verbindet das Beste aus zwei Welten: Junge Menschen sammeln wertvolle Berufserfahrung und erwerben gleichzeitig die Fachhochschulreife. Damit eröffnen wir ihnen vielfältige Wege für ihre berufliche Zukunft. Für die regionalen Unternehmen wiederum ist dies eine hervorragende Möglichkeit, engagierte Nachwuchskräfte zu gewinnen und langfristig zu entwickeln“, betont Torsten Schmitt, Leiter des Koordinierungsbüros „Übergang Schule-Beruf“ des Rheinisch-Bergischen Kreises.
Persönliche Begegnung ersetzt anonyme Bewerbung
Das Besondere am Azubi-Speeddating: Nicht die Größe oder Bekanntheit eines Unternehmens entschied darüber, wer mit den Jugendlichen ins Gespräch kam. Das Format sorgte dafür, dass die Schülerinnen und Schüler mehrere fest eingeplante Kurzgespräche mit den teilnehmenden Ausbildungsbetrieben führten. Damit erhielten alle Unternehmen die gleiche Gelegenheit, sich und ihre Ausbildungsangebote vorzustellen. Gleichzeitig konnten die Jugendlichen unterschiedliche Betriebe und Berufsfelder kennenlernen und Kontakte zu Unternehmen knüpfen, die bei einer klassischen Ausbildungsmesse möglicherweise weniger Aufmerksamkeit bekommen hätten. „Das ist ein gutes Format, um persönlich mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen“, fasste Stefan Uhlmann, Geschäftsführer des Kardinal Schulte Hauses, zusammen und ergänzte, „dass nichts über den direkten Kontakt geht. Wir haben auf diesem Weg schon junge Menschen für eine Ausbildung in unserem Haus gewinnen können.“ Das sieht auch Svenja Kayser von Deutschen Roten Kreuz so, die an dem Format besonders die Möglichkeit schätzt, „viele Jugendliche in kurzer Zeit für unsere Ausbildungsberufe zu interessieren und Lust darauf zu machen. Das ist uns heute wieder gelungen.“
Gut vorbereitet ins Speed-Dating
Damit die Jugendlichen die Chance des Speeddatings bestmöglich nutzen konnten, wurden sie im Vorfeld gezielt auf die Gespräche vorbereitet. Die Mitarbeitenden des JOBvision-Projekts „Quali-Boost Rhein-Berg“ des Rheinisch-Bergischen Kreises unterstützten die Schülerinnen und Schüler unter anderem dabei, ihre eigenen Interessen und Stärken zu erkennen, sich mit möglichen Ausbildungsberufen auseinanderzusetzen und sich auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten. „Es ist gut verschiedene Berufe kennenzulernen“, sagte ein Schüler nach dem Azubi-Speeddating, „was mir dabei hilft, eine Entscheidung über meine berufliche Zukunft zu treffen.“
Ein Türöffner für Ausbildung und Fachkräftesicherung
Das gemeinsame Fazit der Veranstalter fällt positiv aus: Das Azubi-Speeddating hat gezeigt, wie wertvoll direkte und persönliche Begegnungen für den Einstieg in Ausbildung sein können. Jugendliche erhalten die Chance, verschiedene Berufsfelder und Unternehmen kennenzulernen und ihre eigenen Stärken im Gespräch zu zeigen. Unternehmen wiederum können potenzielle Nachwuchskräfte unabhängig von formalen Bewerbungsunterlagen persönlich kennenlernen.
Damit leistet das Format einen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung und Fachkräftesicherung im Rheinisch-Bergischen Kreis – und zeigt zugleich, dass berufliche und schulische Bildung keine Gegensätze sein müssen.
Diese Unternehmen wurden vom JOBvision-Projekt Quali-Boost Rhein-Berg akquiriert und stellten verschiedene Ausbildungsberufe vor: Wurth S+H, Höffner Möbelgesellschaft, Gapi Technische Produkte, DRK-Pflegedienste Rhein-Sieg/Rhein-Berg und DRK Kreisverband Rheinisch-Bergischer Kreis, Autohaus Bergland, Kardinal Schulte Haus, SHK Menck.
Zum Hintergrund
„Quali-Boost Rhein-Berg“ wird gefördert als JOBvision-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Projektträger ist der Rheinisch-Bergische Kreis. Kooperationspartner sind die Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, die Industrie- und Handelskammer zu Köln und der Rheinisch-Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH. Das Projekt hat eine Laufzeit vom 1. Juni 2025 bis zum 30. Juni 2028.
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