Aus den Diskussionen im Forum 1 lassen sich für den Rheinisch-Bergischen Kreis folgende
Impulse ableiten.
Handlungsempfehlungen für den beruflichen Orientierungsprozess:
Im Prozess der eigenen Berufswahl konzentrieren sich die Jugendlichen stark auf die
Identifizierung der eigenen Kompetenzen und deren Abgleich mit den Anforderungen eines
Berufs; dabei fällt es ihnen oft schwer, zugleich zu reflektieren, inwieweit dieser Beruf auch mit
ihrer späteren Lebensplanung und Lebenswelt vereinbar ist.
Für eine tragfähige Entscheidung ist jedoch ebenso entscheidend, ob ein Beruf zur angestrebten
Lebenswelt passt. Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mobilität, wirtschaftliche
Arbeitsplatzsicherheit, Absicherung des Lebensstandards auch nach dem Erwerbsleben,
Werteorientierung und Entwicklungsperspektiven beeinflussen maßgeblich die langfristige
Zufriedenheit.
Daher braucht es gezielte Erfahrungsräume, in denen Jugendliche nicht nur Tätigkeiten
kennenlernen, sondern auch Arbeitsumfelder und die eigene Lebensplanung reflektieren
können. Praktika, Hospitationen, Gespräche mit Auszubildenden und Fachkräften, Mentoring
Angebote sowie schulische Reflexionsformate unterstützen sie dabei, konkrete Erwartungen an
ihr späteres Arbeitsumfeld zu formulieren und eine Entscheidung zu treffen, die sowohl
beruflich als auch lebensweltlich trägt.
Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber im Rheinisch-Bergischen Kreis:
- Junge Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis wollen sich gerne in den Unternehmen
einbringen und Leistung zeigen – erwarten dafür jedoch faire monetäre, wertschätzende
und verlässliche Rahmenbedingungen im Sinne einer „FAIR“änderung der aktuell
empfundenen Arbeitswelt.
- Die hohe Relevanz von Arbeitsatmosphäre, Wertschätzung und Teamgeist macht
deutlich: Junge Menschen erwarten mehr als nur Aufgaben – sie suchen menschliche
Beziehungen und Sinn und möchten in einem kollegialen und funktionierenden Team
arbeiten. Arbeitsplätze sollten daher auch als soziale Erfahrungsräume gestaltet werden.
- Da sich die Jugendlichen noch in der Entwicklungsphase ihrer eigenen Kompetenzen
sehen, ist ihnen zudem wichtig, dass Arbeitgeber im betrieblichen Kontext
Erfahrungsräume und Erprobungsräume schaffen, in denen persönliche
Weiterentwicklung gefördert wird. Sie wünschen sich eine ganzheitliche Einbindung in
Aufgabenbereiche und nicht nur in Teilbereichen von betrieblichen Prozessen.
- Die Jugendlichen wünschen sich von den Arbeitgebern eine größere Transparenz über
die konkreten Rahmenbedingungen und eine ehrliche, authentische Darstellung der
Betriebe für die Berufswahlentscheidung. Hier bedarf es einer klareren Ansprache an die
Jugendlichen von Seiten der Unternehmen. Aspekte wie finanzielle Sicherheit,
Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, frühzeitige Verantwortungsübertragung und die
Berücksichtigung individueller Stärken spielen dabei für viele Jugendliche eine zentrale
Rolle und wecken das Interesse der Jugendlichen.
- Die Jugendlichen wünschen sich eine Vereinbarkeit von Berufsleben und Privatleben
nicht im Sinne einer Freizeiterweiterung, sondern einer Flexibilisierung sowohl zeitlich,
örtlich und medial.