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"Nice-to-have" oder "Must-have"? Wie Jugendliche auf die Arbeitswelt schauen und welche Rahmenbedingungen sie sich wünschen.

(c) Alexander Schiele

Die junge Generation wächst in einem Umfeld auf, welches geprägt ist von einem starken Wandel in der Arbeitswelt und von akutem Arbeits- und Fachkräftemangel. Darüber hinaus findet eine Diskussion darüber statt, ob es in unserem Sozialstaat bei dem Thema Arbeit und Rente generationengerecht zugeht. Diese und weitere Faktoren beeinflussen die junge Generation auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt. Viele junge Menschen gewichten daher heute Arbeit und Freizeit scheinbar anders als frühere Generationen.

Im Fachforum 1 wollten wir verstehen, was junge Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis in der Arbeitswelt antreibt, wie Arbeitgeber sie gewinnen und einen motivierenden Rahmen gestalten können. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studierenden diskutierten wir die Erwartungen der Jugendlichen an die Arbeitswelt.

Ablauf des Fachforums

  • Begrüßung der Teilnehmenden und kurze thematische Einführung 
  • Gemeinsamer Gallerywalk zu themenspezifischen empirischen Untersuchungen mit Mentimerteinschätzung der Teilnehmenden 
  • Zusammenfassung des Gallerywalks und Überleitung zu der Kleingruppenarbeit 
  • Vertiefende Gruppenarbeit
  • Zusammenführung der beiden Kleingruppenergebnisse und die Entwicklung von regionalen Handlungsempfehlungen 

Gallery-Walk mit Mentimeter-Umfragen 

Auf Basis des Studiendesigns der Studie: Jugend in Deutschland - Trendstudie 2025 haben im Rheinisch-Bergischen Kreis 1.013 Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen aller Schulformen an der Umfrage zum Thema Arbeitseinstellungen teilgenommen. Diese Ergebnisse konnten die Teilnehmenden des Fachforums im Gallerywallk erkunden und sich selbst an Einschätzungen über die Einstellungen der Schülerinnen und Schüler in der Region zum Thema Arbeit versuchen.

(c) Canva

Motivation - Altersklassenvergleich

Für die 14- bis 29-Jährigen stehen bei der Leistungsbereitschaft vor allem monetäre Anreize im Vordergrund (52 % | RBK 71%).

Geld ist ein starker Leistungsanreiz für die Jugendlichen im Kreis und zeigt, wie stark junge Menschen in krisenhaften Zeiten auf wirtschaftliche Stabilität achten.

Darüber hinaus wirken Spaß an der Tätigkeit (37 %) | RBK 51%), das Erreichen persönlicher Ziele (34 %) | 51%), Anerkennung (26 % | RBK 15%) sowie das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun (25 % | RBK 19%) motivierend.

(c) Canva

Motivation - Schulformvergleich

Der Vergleich der Schulformen im Rheinisch-Bergischen Kreis verdeutlicht, dass die monitären Anreize bei den Jugenlichen der Schulen im Sekundarschulbereich I mit 81 % deutlich höher ausfallen als im Schulbereich der Gymnasien und Gesamtschulen (66 %) und der Berufskollegs (66 %). 

Bei den Jugendlichen an den Berufskollegs zeigt sich zudem ein höherer Wert bei den Faktoren "Ziele erreichen" (58 %) und "Karriere" (36 %).

Leidenschaft (26 %) und Ehrgeiz (22%) sind an Gymnasien und Gesamtschulen hingegen ausgeprägter als an den anderen Schulformen.

(c) Mentimeter

Motivation - Mentimeter - Teilnehmende

Die Teilnehmenden des Fachforums schätzten den Faktor Geld (81 %) als wichtigsten Motivationsfaktor bei den Jugendlich richtig ein.

Auf den weiteren Plätzen folgt Spaß (75 %) und Annerkennung (41 %).

Das Erreichen der persönlichen Ziele wurde von den Teilnehmenden mit 6 % bewertet. Die Jugendlichen hingegen wählten diesen Aspekt mit 51 % auf den dritten Platz.    

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Benefits - Altersklassenvergleich

Auch bei den Benefits zeigt sich, dass Geld im Bezug auf bezahlte Überstunden ein wichtiger Aspekt für für die 14- bis 29-Jährige in Deutschland (52 % | RBK 67 %) ist. Dieses Ergebnis beinhaltet den Wunsch nach gerechter und fairer Bezahlung. Homeoffice beziehungsweise mobiles Arbeiten folgt auf den zweiten Platz (42 % | RBK 34 %) bei den attraktivsten Zusatzleistungen.

Ebenfalls geschätzt werden fachliche Weiterbildung (27 % | RBK 25 %), sowie ein eigenes Büro (16 % | RBK 23 %) und Dienstwagen (18 %,| RBK 19 %), sprechen jedoch nicht alle gleichermaßen an.

(c) Canva

Benefits - Schulformvergleich

Der Vergleich der Schulformen im Rheinisch-Bergischen Kreis zeigt, dass Jugendliche aus den Gesamtschulen und Gymnasien einen höheren Wert auf die Optionen Homeoffice (38 %), eigenes Büro (30 %) und fachliche Weiterbildungen (28 %) legen. 

Die Jugendlichen aus den Berufskollegs favorisieren hingegen die Aspekte Sport- und Entspannungsangebote (23 %) und  Persönlichkeitentwicklung (15 %) als Benefits.

(c) Mentimeter 

Benefits - Mentimeter - Teilnehmende

Die Teilnehmenden schätzen mit großer Mehrheit die Option Homeoffice (69 %) als den wichtigsten Aspekt aus Sicht der Jugendlichen (34 %) ein. Bezahlte Überstunden folgen bei der Einschätzung erst mit 34 % auf den hinteren Plätzen. Der benannte Aspekt Dienstwagen (47 %) ist den Jugendlichen mit 18 % eher weniger wichtig.   

(c) Canva

Gute Arbeit - Altersklassenvergleich

Für 14- bis 29-Jährige steht bei guten Arbeitsbedingungen an erster Stelle eine positive Arbeitsatmosphäre im Unternehmen und im Team (63 % | RBK 57 %). Sie ist aus ihrer Sicht maßgeblich dafür, ob man sich am Arbeitsplatz wohlfühlt, leistungsfähig ist und gerne zur Arbeit geht.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Freizeit (57 % | RBK 52 %). 

Die Jugendlichen im Rheinisch-Bergischen Kreis sind besonders Karriere- und Aufstiegmöglichkeiten wichtig. Hier liegt der Wert höher als bei der bundesweit befragten Gruppe der Gleichaltrigen (35 %| RBK 46 %).

(c) Canva

Gute Arbeit - Schulformvergleich

Insbesondere den Jugendlichen der Gesamtschulen und Gymnasien ist die positive Arbeitsatmosphäre im Unternehmen und eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit wichtig.

Die Schülerinnen und Schüler der Berufskollegs legen einen hohen Wert auf gute Vorgesetzte und möchten einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen.

Jugendliche an den Schulen der Sekundarstufe I wünschen sich Anerkennung ihrer Leistung und die Übernahme von Verantwortung von den Arbeitgebern.

(c) Mentimeter

Gute Arbeit - Mentimeter - Teilnehmende

Die Teilnehmenden schätzen mit großer Mehrheit (63 %) die Option gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit als wichtigstenen Aspekt bei den Jugenlichen ein. Die Jugendlich hingegen benennen die positive Arbeitsatmosphäre im Unternehmen als Hauptaspekt (57 %) für gute Arbeit.

Die Teilnehmenden unterschätzen die Faktoren gute Vorgesetzte (9 % | RBK 35 %), die Übernahme von Verantwortung (3 % | RBK 15 %) und den Wunsch nach einer sinnvollen Tätigkeit (28 % | RBK 41 %) der Jugendlichen im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Kleingruppenarbeit

In den beiden Kleingruppen wurden die Ergebnisse aus dem Gallery-Walk diskutiert, hinterfragt und weiterentwickelt. So entstand ein tieferes Verständnis der jeweiligen Teilaspekte, das später im Plenum zur Formulierung der regionalen Handlungsempfehlungen zusammengeführt werden konnte.

(c) Torsten Schmitt

Kleingruppe 1:

  • Was macht folgende Aspekte zu motivierenden Faktoren?
  • Und was kann das für Arbeitgeber/Ausbilder/Hochschulen bedeuten?
  • Definition und Diskussion über die Aspekte: Geld, Ziele erreichen, Spaß, Karriere

Kleingruppe 2:

  • Wie definiert man gute Konditionen für das konkrete Arbeitsumfeld? 
  • Und was kann das für Arbeitgeber/Ausbilder/ Hochschulen bedeuten?
  • Definition und Diskussion über die Aspekte: Homeoffice, eigenes Büro, etc., gute Arbeitsatmosphäre, Sicherheit des Arbeitsplatzes (Zukunftssicherheit), gute Balance von Arbeit und Freizeit

Handlungsempfehlung 


Aus den Diskussionen im Forum 1 lassen sich für den Rheinisch-Bergischen Kreis folgende
Impulse ableiten.

Handlungsempfehlungen für den beruflichen Orientierungsprozess:

Im Prozess der eigenen Berufswahl konzentrieren sich die Jugendlichen stark auf die
Identifizierung der eigenen Kompetenzen und deren Abgleich mit den Anforderungen eines
Berufs; dabei fällt es ihnen oft schwer, zugleich zu reflektieren, inwieweit dieser Beruf auch mit
ihrer späteren Lebensplanung und Lebenswelt vereinbar ist.

Für eine tragfähige Entscheidung ist jedoch ebenso entscheidend, ob ein Beruf zur angestrebten
Lebenswelt passt. Arbeitszeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mobilität, wirtschaftliche
Arbeitsplatzsicherheit, Absicherung des Lebensstandards auch nach dem Erwerbsleben,
Werteorientierung und Entwicklungsperspektiven beeinflussen maßgeblich die langfristige
Zufriedenheit.

Daher braucht es gezielte Erfahrungsräume, in denen Jugendliche nicht nur Tätigkeiten
kennenlernen, sondern auch Arbeitsumfelder und die eigene Lebensplanung reflektieren
können. Praktika, Hospitationen, Gespräche mit Auszubildenden und Fachkräften, Mentoring
Angebote sowie schulische Reflexionsformate unterstützen sie dabei, konkrete Erwartungen an
ihr späteres Arbeitsumfeld zu formulieren und eine Entscheidung zu treffen, die sowohl
beruflich als auch lebensweltlich trägt.


Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber im Rheinisch-Bergischen Kreis:

  • Junge Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis wollen sich gerne in den Unternehmen
    einbringen und Leistung zeigen – erwarten dafür jedoch faire monetäre, wertschätzende
    und verlässliche Rahmenbedingungen im Sinne einer „FAIR“änderung der aktuell
    empfundenen Arbeitswelt.
  • Die hohe Relevanz von Arbeitsatmosphäre, Wertschätzung und Teamgeist macht
    deutlich: Junge Menschen erwarten mehr als nur Aufgaben – sie suchen menschliche
    Beziehungen und Sinn und möchten in einem kollegialen und funktionierenden Team
    arbeiten. Arbeitsplätze sollten daher auch als soziale Erfahrungsräume gestaltet werden.
  • Da sich die Jugendlichen noch in der Entwicklungsphase ihrer eigenen Kompetenzen
    sehen, ist ihnen zudem wichtig, dass Arbeitgeber im betrieblichen Kontext
    Erfahrungsräume und Erprobungsräume schaffen, in denen persönliche
    Weiterentwicklung gefördert wird. Sie wünschen sich eine ganzheitliche Einbindung in
    Aufgabenbereiche und nicht nur in Teilbereichen von betrieblichen Prozessen.
  • Die Jugendlichen wünschen sich von den Arbeitgebern eine größere Transparenz über
    die konkreten Rahmenbedingungen und eine ehrliche, authentische Darstellung der
    Betriebe für die Berufswahlentscheidung. Hier bedarf es einer klareren Ansprache an die
    Jugendlichen von Seiten der Unternehmen. Aspekte wie finanzielle Sicherheit,
    Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, frühzeitige Verantwortungsübertragung und die
    Berücksichtigung individueller Stärken spielen dabei für viele Jugendliche eine zentrale
    Rolle und wecken das Interesse der Jugendlichen.
  • Die Jugendlichen wünschen sich eine Vereinbarkeit von Berufsleben und Privatleben
    nicht im Sinne einer Freizeiterweiterung, sondern einer Flexibilisierung sowohl zeitlich,
    örtlich und medial.

Das Fachforum 1 in Bildern

(c) Alexander Schiele
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Ihr Ansprechpartner

Torsten Schmitt
Leitung Koordinierungsbüro "Übergang Schule-Beruf"
Foto: Fotografie Joachim Rieger
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